01 Jun
01Jun

Der Blankbogen ist ein Bogen ohne Visier und Stabilisator. Nach dem Regelwerk des größten Bogensportverbandes, der World Archery Federation (WA), ist der Blankbogen eine Bogenklasse im Bogensport.

Recurve-Blankbogen
Als Blankbogen gelten olympische Recurve- und Compoundbögen ohne Visier und ohne Stabilisatoren, die in dieser Bogenklasse strikt verboten sind. Lediglich das Anbringen von Gewichten zur besseren Stabilisierung beim Schießen direkt am Griffstück ist erlaubt. Das Gewicht soll bewirken, dass der Bogen nach dem Lösen des Schusses nicht in Richtung des Schützen kippt, sondern in einer stabilen, aufrechten Position bleibt. Bei Blankbögen liegt der Schwerpunkt im Gegensatz zum olympischen Recurvebogen hinter dem Handdruckpunkt, so dass diese Bögen ohne Zusatzgewichte zum Kippen nach hinten neigen. Der entspannte Blankbogen einschließlich der Zusatzgewichte muss noch durch einen Ring mit einem Durchmesser von 12,2 cm geschoben werden können. Der als Blankbogen eingesetzte Compoundbogen erfüllt diese Regel schon konstruktionsbedingt nicht, so dass es sich bei diesem Bogen nicht um einen Blankbogen im Sinne des Regelwerks der WA handelt. Der Deutsche Feldbogensportverband und der Deutsche Bogensport-Verband erkennen jedoch Blankbögen aus Compound an. Langbogen und Jagdbogen fallen theoretisch auch in diese Klasse, werden aber wegen der schlechteren Schießergebnisse aufgrund der archaischen Materialien in Sonderklassen geführt.

Im Gesamtschießergebnis steht der Blankbogen dem olympischen Recurvebogen nicht wesentlich nach. Eine regeltechnische Abgrenzung erfolgt lediglich im Wettkampf, wobei für den Blankbogen in den Wurfscheibendisziplinen der WA kürzere Distanzen gelten (bis 18 m[1] in der Halle, 50 m[2] im Freien, während der olympische Recurve im Freien bis 70 bzw. 90 m geschossen wird).

Der olympische Recurvebogen und der Blankbogen unterscheiden sich, abgesehen von technischen Details, auch in der Handhabung während des Schießens. Anstelle des fehlenden Visiers wird auf die ungenauere Pfeilspitze gezielt (daher auch die kürzeren Schussdistanzen). Hier kommen insbesondere spezielle Auszugs- und Ankertechniken wie Stringwalking oder Facewalking zum Einsatz, im Gegensatz zum mediterranen Auszug/Anker, der im olympischen Recurve vorherrscht. Unter Ankern versteht der Bogenschütze die genaue Positionierung und Lage der Zughand an einem bestimmten Punkt des Kopfes. Im Gegensatz dazu steht die Bogenhand, die den Bogen hält und den Auszug ermöglicht.

Im Gegensatz zum gefühlsmäßigen (intuitiven) Schießen mit dem schweren Langbogen oder dem leichten Jagdbogen wird hier die Präzision trainiert. Die technische Ausrüstung ist ansonsten identisch mit der des olympischen Recurve-Bogens.

Ein Blankbogen besteht aus
einem Recurve-Bogenmittelteil (Griffstück aus Leichtmetall, Holz oder auch Carbon)
zwei Wurfarmen
einer Sehne, an der bis zu zwei Nocken befestigt werden können
Pfeilauflage
Button
evtl. Zusatzgewichte (Achtung: der entspannte Bogen muss mit montierten Gewichten durch einen Ring mit 122 mm Innendurchmesser passen, um regelkonform zu sein).
Geschossen werden darf
mit Schießhandschuh oder Tab (Lederstück/Fingerschutz zum Ziehen der Sehne)[3].
mit jedem Pfeilmaterial (Holz, Aluminium, Fiberglas, Carbon usw.), das auch für olympische Recurvebögen zugelassen ist.
Jegliche Markierungen am Bogen, die dem Schützen eine Abschätzung der Entfernung ermöglichen oder als Zielhilfe dienen, sind verboten. Dazu gehören Markierungen, Ausbuchtungen, Einkerbungen, Kerben oder Kratzer im Bogenfenster sowie auf der Rückseite des oberen Wurfarmes, ebenso ist die Verwendung von Auszugskontrollen (Klicker) verboten.

Spektakulär war das Verbot der Verwendung eines Recurve-Mittelteils des Herstellers Spigarelli (Italien) für das Modell „Spigarelli Revolution“. Das Mittelteil war aus materialtechnischen Gründen mit zwei Ausbuchtungen im Pfeilfenster versehen, durch die die einzelnen Metallteile verschraubt waren. Dies galt als Zielhilfe und der Mittelteil durfte nicht als Blankbogen im Gelände verwendet werden.

Schießtechnik
Zwei Pfeile ins "Gold
Der Blankbogen ist der ideale Einstieg in das Präzisionsschießen, da er ohne technische Korrekturmöglichkeiten eine korrekte Schießhaltung erfordert. Natürlich kann auch mit einem Blankbogen intuitiv geschossen werden, aber er ist mit seinem Zuggewicht optimal auf den Schützen abgestimmt und kann so eine Zeit lang ruhig gespannt gehalten werden. Mit dem Auge, auf dem die Zughand liegt, wird über die Pfeilspitze auf das Gold gezielt.

Der Schussaufbau
Der Schuss eines jeden Bogens erfolgt nach einem für die Bogenart typischen Schema, das immer gleich ist. In der Präzision der Wiederholbarkeit liegt der Erfolg des Schützen und das ist ein immenses Training. Die Einzelheiten dieses Ablaufs sind von Schütze zu Schütze verschieden und hängen auch von dem verwendeten Material und der Umgebung (Bogen, Pfeile, Ziel, Wetter, Gelände, Tageszeit) ab. In groben Zügen sieht der Ablauf wie folgt aus:

Stand einnehmen
Pfeil einlegen
Ziel anvisieren
Entfernung abschätzen und greifen
Drei Finger am Sehnenansatz
Bogen hochheben und gerade zum Ziel ausrichten
Vordere Schulter gerade zum Ziel ausrichten und Bogenarm strecken und "einrasten" lassen
Sehne mit Pfeil langsam mit der Zughand zum Anker ziehen und ankern
Letzte Zielkorrekturen, dabei die Spannung über die Rückenmuskulatur weiter aufbauen bis zum endgültigen Auszug.
Die Finger lösen sich blitzschnell, wenn die maximale Spannung erreicht ist. Den Bogenarm stabil halten
Dem Pfeilflug ruhig folgen
→ Im Idealfall ist dies dann eine „10“ oder „Gold“.

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